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 Betreff des Beitrags: Der unmögliche Mord des Alexander Brimm
BeitragVerfasst: 31. Mär 2017, 21:28 
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Opfer

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Das Monokel saß perfekt, der Zylinder auf dem Kopf rundete das Bild des Gentlemans im Anzug exzellent ab. Einzig ungebührlich an seiner Erscheinung, war das ständige Überprüfen der Anzeige auf seiner Taschenuhr. Seines Standes angemessen, überspielte er den nervösen Blick auf die Zeiger, indem er mit der freien Hand nachdenklich an seinem Schnurrbart strich.

Ein lautes Ticken umgab ihn. Natürlich, er stand dort schließlich an der Spitze der Turmuhr. Jederzeit war ihm möglich, sich an ihr zu orientieren. Doch die Taschenuhr in seiner behandschuhten Hand, war ihm ein besserer Trost. Sie entstammte dem Erbe seines Großvaters und wurde von ihm immer in Ehren getragen. Heute, schlug sie eventuell zum letzten Mal zur vollen Stunde.

Tick...tack...tick...tack... ihm war bewusst, dass sie im selben Rhythmus schlug, wie jede andere Uhr auch – und doch beschlich ihn der Verdacht, dass sie sich beabsichtigt gemächlich zur vollen Stunde begab.

Der Sekundenzeiger passierte den Minutenzeiger. Die immense Vibration der schlagenden Glocke erbebte die Etage in der er stand. Der Mann wusste, er war nicht länger alleine. Es brauchte keinen Blick nach hinten. Er wusste, wie die Person aussah. Straff gestanden, in blauer, mit Abzeichen gespickter Uniform. So, wie es sich für ihn gehörte. Wie man es verlangte.
Er packte die Taschenuhr weg und sprach: "Zeit. Eine oberflächlich betrachtet, so einfache Maßgabe. Strukturiert, unaufhaltsam, geordnet und immer voraus. Bei genauerer Betrachtung, abseits von der eitlen Ablehnung der zeitgenössischen Gesellschaft, wird alsbald bewusst, dass dies ein engstirniger – ja, lächerlicher Versuch ist, ein chaotisches Komplex für Narren wie uns verständlich werden zu lassen. Wir versuchen Zeit in einen Maßstab zu pressen und missachten dabei, dass nur das Genie wahrlich in der Lage dazu ist, das Wechselbare ohne logischen Widerspruch für sich zu entdecken. Töricht, wer glaubt, das Wesen von Sein und Vergehen nach weniger als dem Studium eines Menschenlebens erfassen zu können oder gar mit überschaubarem Ausgang einzugreifen."

Schweigen.

Wieder ergriff er das Wort, seine Arme auf den Rücken verschränkt: "Weißt du, ich ahnte es ja. Der heutige Tag, war meine Vorhersehung. Ich selbst beschloss, der Zeit zuvor zu kommen und ihren Trieb zur Richtigstellung für mich zu gebrauchen. Für einen kurzen Augenblick, da hoffte ich. Ich hoffte alles richtig gemacht zu haben, der Zeit ein verständnisvoller Begleiter zu sein. Tja, dein Erscheinen, gibt mir Unrecht. Mein Versuch hat also die gewünschte Wirkung mehr als erzielt. Das unbändige Treiben der Zeit – das Wissen um die Lösung eines paradoxen Vorganges, welcher als solcher Teil des natürlichen Flusses ist. Es ist mein."

Stille. Er spürte die Augen auf sich, die starr in seinen Rücken bohrten.

Mit zittriger Stimme kämpfte er um Fassung: "Wie geht es ihr?"

Nicht ein Atemzug war zu vernehmen.

Gefasst sagte er: "Ich verstehe. Nun, der Bauplan liegt in einer präparierten Kiste mit Zeitschaltschloss. Mit Erreichen des vorgegebenen Zeitlimits, wird sich eine Kapsel mit Säure öffnen und die Aufzeichnungen vollständig zersetzen. Außerdem ist ein Brief an mich selbst adressiert unterwegs, der meine Hinterbliebenen über mein Ableben aufklärt. Es wird als Suizid gelten."

Er fügte schmunzelnd hinzu: "Was auch sonst?"

Der Mann begab sich nach draußen, auf die Brüstung. Er suchte sich eine Stelle aus, an der er ohne Fremdeinwirkung einen sicheren Halt hatte und kletterte hinauf.

Ohne es sehen oder hören zu müssen, wusste er, dass ihm gefolgt worden war. Ruhig erzählte er: "Ich hatte es nur gut gemeint. Es beruhte auf einer gewissen Wahrscheinlichkeit. Entweder ein revolutionärer Schritt oder... das hier. Ich wollte es so. Eine Chance für euch, meinen Fehler von vornherein auszubügeln. Heute, an diesem Ort. Geplant und offensiv. Du musst dir das nicht anrechnen. Es war mein Plan, dass mein eigen Fleisch und Blut es tut."

Alexander Brimm, ledig, weder eheliche noch uneheliche Kinder, stand mit einem Schritt Abstand vor dem Sturz, den er selbst heraufbeschworen hatte. Eine Rücksicherung gegenüber seinen Zukunftsplänen.

Der sanfte Druck zweier Hände schob ihn vorwärts. Sein Sturz begann. Der Zylinder löste sich vom Kopf und wurde vom Wind davon getragen. Wild flatterte sein Anzug. Er wollte sich umdrehen, der Zeit sein letztes Geschenk abverlangen. Kurz vor seinem Tod, ihr ebenbürtig stehen.
Alexander schaffte es, wenige Meter vor dem Boden, sich zu drehen und hoch zur Turmspitze zu sehen.

Doch da war Niemand.


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 Betreff des Beitrags: Re: Der unmögliche Mord des Alexander Brimm
BeitragVerfasst: 31. Mär 2017, 23:33 
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Ghul
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Sehr gut geschrieben....

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